Die Akademie für Technikwissenschaften (acatech) expandiert und sucht nach einem neuen, repräsentativen Standort, da ihre bisherigen Räumlichkeiten in der Residenz nicht mehr ausreichen. Der Freistaat möchte der acatech das Amerika Haus am Karolinenplatz zur Verfügung stellen. Der Träger des Amerika Hauses, das Bayerisch-Amerikanische Zentrum im Amerika Haus München e.V. (BAZ), soll der acatech weichen, die Arbeit an seinem traditionellen Ort einstellen und in einem anderen Gebäude (jüngste Idee: ein Hintergebäude der Lotterieverwaltung) fortsetzen.

Wie die Wahl des Amerika Hauses als zukünftigem Sitz der acatech zustande gekommen ist, bleibt noch unklar. Die Süddeutsche Zeitung berichtete, der Gründungspräsident der acatech, Joachim Milberg, Aufsichtsratsvorsitzender der BMW, habe seinerzeit auf eigene Initiative und mit fertigen Umbauplänen vom Ministerpräsidenten ultimativ die Herausgabe des Amerika Hauses verlangt. Andernfalls würde die acatech nach Berlin ziehen. Die acatech wiederum beteuert, das Amerika Haus sei ihr von der Staatskanzlei zugewiesen worden, man sei kein „Player“ in der Angelegenheit und habe auch nie mit einem Weggang gedroht.

Das Amerika Haus München

Das Amerika Haus als Kulturinstitution
  • hat seit seiner Gründung 1946 für München und seine Bürger eine herausragende Bedeutung als Kulturort. Diese Funktion erfüllt es nach wie vor.
  • wird seit 1998 als bayerische Institution vom Bayerisch-Amerikanischen Zentrum im Amerika Haus München e.V. (BAZ) geführt.
  • ist die Beziehungsschmiede zwischen Nordamerika und Bayern (so Ministerpräsident Stoiber zum 60jährigen Jubiläum). Seine Aufgabe ist die bayernweite Pflege und Förderung der transatlantischen Freundschaft.
  • zog 2011 ca. 58.000 Menschen an, die 364 Veranstaltungen besuchten, davon etwa ein Drittel mit über 150 bis 600 Besuchern
  • zeigte im gleichen Jahr vier bedeutende Ausstellungen mit ca. 9.500 Besuchern.
  • bietet bayernweit Serviceleistungen in seinen zentralen Kompetenzbereichen Wissenschaft, Bildung und Kultur und erreicht damit viele tausend Schüler, Studierende, Lehrer und Wissenschaftler in ganz Bayern.
  • ist Standort für international tätige wissenschaftliche Institutionen wie die Bayerische Amerika-Akademie und das über die Exzellenzinitiative der LMU finanzierte Melvin Lasky Center for Transatlantic Studies.
  • ist einer der Grundpfeiler des gerade entstehenden Kunstareals. Teil dessen Gesamtkonzepts ist die Nutzung des Hauses, insbesondere des Theatersaals und des Foyers, auch durch die benachbarten Institutionen (z.B. das NS-Dokumentationszentrum, die Pinakotheken, die Glyptothek, die Hochschule für Fernsehen und Film usw.) und das Münchner Kammerorchester.
  • wird von der bayerischen Staatsregierung, den USA, mehreren großen Konzernen und zahlreichen Bürgern finanziell unterstützt.
  • finanziert etwa die Hälfte seiner Programmkosten mit amerikanischen Mitteln und erhielt von der US Regierung 2011 insgesamt 110.000 € an Geldmitteln und geldwerten Leistungen.
Das Amerika Haus als Gebäude
  • wurde bewusst im ehemaligen Machtzentrum des Nationalsozialismus errichtet. Mit dem Amerika Haus setzte man ein architektonisches Zeichen für die demokratische Wiedergeburt des durch die Amerikaner befreiten Deutschlands.
  • ist für Münchner und Bayern das zentrale Symbol der engen Freundschaft zwischen Amerikanern und Deutschen.
  • ist einer der seltenen, noch erhaltenen Prachtbauten aus den 1950er Jahren und steht unter Denkmalschutz.
  • wurde als Veranstaltungsort gebaut mit großzügigen Foyers, Veranstaltungsräumen, einer Bibliothek, Ausstellungsflächen und einem Theater mit 500 Plätzen.
  • hat daher wenig Bürofläche und müsste für die Nutzung als Verwaltungsbaus der acatech entgegen dem Denkmalschutz erheblich umgebaut werden, was den Abriss des Theatersaals und den Neubau eines Bürobaus einschließen würde.
  • ist im Besitz des Freistaats Bayern. Sein Bau wurde auch durch erhebliche Mittel der amerikanischen Regierung unterstützt.

Alternative Standorte oder gemeinsame Nutzung?

Es gibt in München keinen vergleichbaren Ort, an dem das BAZ sein umfassendes Programm verwirklichen könnte. Der Vorschlag, die acatech könne die Büroräume übernehmen während das BAZ seine Veranstaltungen weiterführt, ist nicht praktikabel. Ein regulärer Akademiebetrieb verträgt sich nicht mit einem Veranstaltungsbetrieb mit jährlich 50.000 Besuchern. Ohnedies hat die acatech dem Vorstand des BAZ zu verstehen gegeben, dass z.B. größere Schülerveranstaltung oder Theateraufführungen mit 500 Gästen natürlich nicht erlaubt würden. Es ist  zu erwarten, dass die acatech als alleiniger Hausherr die Nutzung von Räumen überhaupt nicht mehr zulassen wird. Die acatech sucht nach einer repräsentativen, exklusiven Immobilie, die man wohl kaum für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich machen wird.

Die Zukunft des Amerika Hauses im Kunstareal

Das Amerika Haus steht mit der Gründung des Kunstareals vor einer deutlichen Steigerung seiner Bedeutung für das Kunstleben und die kulturelle Aufwertung der Maxvorstadt.

Einer der wichtigsten Beiträge des Amerika Hauses zum Kunstareal ist die Nutzung seiner Räumlichkeiten durch die benachbarten Kulturinstitutionen. Der Theatersaal und das Foyer waren in den letzten Monaten mehrfach Ort für Veranstaltungen um das Kunstareal und das in unmittelbarer Nachbarschaft entstehende NS Dokumentationszentrum. Vor allem Letzteres ist wegen seiner geringen Grundfläche auf die Nutzung von Räumen im Amerika Haus angewiesen. Die jetzt schon vereinbarte Kooperation floss mit in die Planung des Zentrums ein.

Jetzt schon wird der akustisch hervorragende Theatersaal als neuer Standort des Münchner Kammerorchesters genutzt. Die notwendige Modernisierung soll über Sponsoren finanziert werden. Im Ergebnis bekäme München einen neuen Konzertsaal, eine “kleine Philharmonie”, die ganzjährig mit einem vielfältigen Programm von Musik, Film, Theater und Gesprächen bespielt werden könnte.

Fazit

  • Es gibt keinen sachlich zwingenden Grund, warum die acatech in das Amerika Haus ziehen muss.
  • Im Gegenteil wäre es völlig widersinnig, das Amerika Haus in ein Bürogebäude umzuwandeln und dagegen einen anderen Verwaltungsbau in einen Veranstaltungsort.
  • In München ist neben dem Amerika Haus kein Bau vorhanden, der den Bedürfnissen der Arbeit des BAZ auch nur annähernd entspricht.
  • Die de facto Schließung des Amerika Hauses würde ein äußerst erfolgreiches, 60jähriges Programm mit jährlich über 360 sehr gut besuchten Veranstaltungen und bayernweit wirkenden Serviceleistungen im Dienste guter bayerisch-amerikanischer Beziehungen ohne jede Notwendigkeit zerstören.
  • Eine Abwicklung des BAZ würde den bayerisch-amerikanischen Beziehungen empfindlichen Schaden zufügen.
  • Der Erhalt des Amerika Hauses als Kulturort ist von überragendem Interesse für das Kulturleben Münchens und von fundamentaler Bedeutung für den Erfolg des Kunstareals.
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4 Responses to “Hintergründe”


  1. 1 Nikolaus Westenthanner 19. Oktober 2011 um 22:11

    Hoffentlich sind dieser Blog und die Unterschriftenaktion erfolgreich, dass das Amerika-Haus an seinem jetzigen Standort bleiben kann. Ich fände es als regelmäßiger Besucher unglaublich schade, wenn es diesen Standort verlieren würde.

  2. 2 Garden 8. Februar 2012 um 15:48

    Ich finde es wichtig das Amerikahaus am jetzigen Standort zu lassen. B.Garden

  3. 3 Jürgen Borgmann 27. Juni 2012 um 00:10

    Kann nur allen bisherigen Besuchern des Hauses raten, noch ganz schnell eine Petition zu verfassen, die einzelnen Mitglieder der Staatsregierung anzumailen (beim MP wird’s nichts mehr ausrichten, der sucht sich mit dieser Entscheidung schon sein Austragshäuser’l nach der nächsten Wahl), vielleicht auch die CSUler im Stadtrat sowie im Parlament mit E-Mails zu überschwemmen. Die wollen wiedergewählt werden – während „er“ dann im jetzigen Amerikahaus-Standort sitzt, Pension genießt, immer noch (etwas) zu sagen hat und uns alle für doof hält, weil wir uns das gefallen lassen.

  4. 4 Susanne Schulze 28. Oktober 2012 um 11:36

    Ich unterstütze, dass der Amerika Haus Verein im jetzigen Amerika Haus am Karolinenplatz 3 bleibt. Die kulturelle Wirkung und die Möglichkeiten in diesem Haus sind für die Bürger großartig und gewinnbringend. Die Gründe auf dieser Seite sind hinreichend, um das zu erkennen! Alle Unterstützer sollten sich an viele Politiker und Medien mit diesem Wunsch wenden. Eine mögliche neue SPD Regierung wird den Verbleib des Amerika Haus Vereins am jetzigen Standort sicher unterstützen.


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